Bio-Baumwolle und achtsamer Mode-Konsum

Die Textilindustrie hat wegen des Einsatzes von Chemikalien einen enormen Einfluss auf Umwelt und Klima: Sie verursacht rund 20 Prozent der globalen Wasserverschmutzung und 10 Prozent der CO2-Emissionen. Doch nicht nur die Natur leidet – auch Menschen werden ausgebeutet und tragen gesundheitliche Folgen.

 

Da weltweit knapp die Hälfte aller Textilien aus Baumwolle sind, macht es einen großen Unterscheid, unter welchen Bedingungen diese hergestellt und verarbeitet wurden. Wer öfters im Bioladen oder Reformhaus einkauft, bewegt sich in einer kleinen Nachhaltigkeitsblase und wird vermutlich der Meinung sein, dass ein Großteil der Marken bereits auf Bio-Baumwolle umgestiegen ist. Dem ist leider nicht so: Der Anteil an Bio-Baumwolle beträgt leider immer noch weniger als ein Prozent, auch wenn die Tendenz in den letzten Jahren gestiegen ist.

Kleidung aus Bio-Baumwolle ist nicht automatisch nachhaltig und fair


Hinzu kommt ein weiteres, nicht unwesentliches Detail. Leider ist es so, dass der Hinweis auf Bio-Baumwolle auf dem Etikett nur bedeutet, dass der Rohstoff ökologisch angebaut wurde. Es sagt weder etwas über die Lieferkette aus noch über die Arbeitsbedingungen während der Produktion. Auch nicht, ob bei der weiteren Verarbeitung Chemikalien eingesetzt wurden. Dass die ganze Wertschöpfungskette nachhaltig und fair ist, garantieren zusätzliche Zertifizierungssysteme für Bio-Baumwolle, wie z.B. Global Organic Textile Standard (GOTS), Better Cotton Initiative (BCI), IVN BEST (Naturtextil), OCS (Organic Content Standard), Cotton made in Africa (CmiA) usw. (siehe auch unten UNSER TIPP).

Allein die Umstellung der Baumwoll-Produktion auf ökologischere Methoden würde enorm viel bewirken, weil:


• derzeit der Anbau von genmanipulierten Baumwollpflanzen überwiegt. Diese können im Gegensatz zur Bio-Baumwolle keine Samen produzieren, aus denen neue Pflanzen wachsen können. Die Farmer müssen das Saatgut immer nachkaufen, was für sie eine große finanzielle Belastung darstellt und sie von Saatgut-Konzernen abhängig macht.


• bei der Produktion konventioneller Baumwolle viel Pestizide gespritzt werden, die Mensch und Natur krank machen. Bei Bio-Baumwolle wird hingegen auf den Einsatz von Chemikalien komplett verzichtet, weil biologische Mittel zur Schädlingsbekämpfung verwendet werden.


• auf Feldern mit Bio-Baumwolle auch andere Kulturpflanzen in Wechselwirtschaft angebaut werden, die nicht nur die Böden schneller regenerieren, sondern den Farmern ein zusätzliches Einkommen bringen.


• bei der Bio-Produktion die Böden dank der Fruchtfolge und des Verzichts auf chemisch-synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel mehr organische Substanz und somit mehr Wasser speichern können.


• es sich bei einem Großteil der Baumwoll-Produzenten um Kleinbäuer*innen handelt, die mit der Bio-Baumwollproduktion eine Lebensgrundlage haben und so unabhängig von großen Unternehmen bleiben können. Wenn sie für anerkannte nachhaltige Siegel produzieren, bekommen sie auch bessere Löhne und einen höheren Absatzpreis für ihr Produkt.

 

Tipps für einen achtsamen Modekonsum

• Weniger kaufen, dafür besser

Weniger kaufen, mehr auf die Qualität achten und die Kleidungsstücke dann auch wirklich tragen. Wie man aufräumt und mit weniger Klamotten ganz gut über die Runden kommt, zeigen Marie Kondo und das Project 333 von Courtney Carver.
Außerdem: Was einem nicht gefällt, könnte für andere das neue Lieblingsstück werden – also mehr Mut zum Second-Hand-Kauf!

 

• Richtig entsorgen

Hat man es geschafft, sich endlich von un- oder selten getragenen Kleidungsstücken zu trennen, gibt es verschiedene Wege, diese zu entsorgen: Viele Geschäfte bieten mittlerweile die Rücknahme von alten Textilien an. Gibt man Kleidung in den Altkleider-Container, sollte man darauf achten, dass sie sauber und einwandfrei ist. Kaputte Sachen, Unterwäsche etc. gehören in den Restmüll oder auf den Wertstoffhof – so können die Textlilien zu Dichtungen weiterverarbeitet werden.


• Faire und nachhaltige Kleidung kaufen

Die Website siegelklarheit.de bietet eine umfassende Übersicht über alle Zertifizierungen.

 

Fazit

Die Umstellung auf nachhaltigere Produktionsweisen und Materialien – nicht nur von Baumwolle, sondern überhaupt – würde Umwelt und Klima massiv entlasten. Bald wird ein neues EU-Lieferkettengesetz verabschiedet, das hoffentlich größere Verbesserungen schafft. Doch auch wir als Konsumenten haben es in der Hand: Indem wir Bio-Mode kaufen, lassen wir neue Trends zu Bio-Materialen entstehen, auf die die Modeindustrie reagieren wird müssen. Mit dem Hashtag #whomademyclothes kann man nicht nur auf faire und nachhaltige Produktion aufmerksam machen, sondern der Politik und Industrie signalisieren, welches Unternehmen und welches Wirtschaftsmodell – Gier oder Gemeinwohl – man unterstützen möchte.

 

UNSER TIPP:

Wir haben Sie inspiriert? Hier finden Sie weitere interessante Informationen zum Thema:

• Filmtipp: The True Cost: www.truecostmovie.com

• TU Berlin – Studie: Der Lebensweg eines T-Shirts – eine Ökobilanz

• Fashion Revolution Germany: www.fashionrevolutiongermany.de

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